evolve Magazin und emerge bewusstseinskultur e.V.

Mit unserem evolve Magazin unterstützen wir die erdfest-Initiative seit dem Beginn, denn wir fühlen uns dem Anliegen, Lebendigkeit in eine tiefere Erfahrbarkeit zu bringen und miteinander zu teilen, sehr verbunden. Wir schätzen es sehr, wie Hildegard Kurt (in früheren Jahren gemeinsam mit Andreas Weber) mit ihrer Vision ein tieferes Verständnis für die Wechselseitigkeit alles Lebendigen weckt. Wir waren dieses Jahr zum dritten Mal aktiv dabei und es war uns wieder eine große Freude. Für uns sind die Erdfeste immer ein wunderbarer Rahmen, gemeinsam in die Ungetrenntheit allen lebendigen Seins einzutauchen und im Miteinander zu erfahren, dass wir in diesen größeren Lebensprozess zutiefst eingebunden sind. Es ist eine Verbundenheit, die auch für die Arbeit in unserem Verein emerge bewusstseinskultur e.V. und beim evolve Magazin für Bewusstsein und Kultur zentral ist. Da wir vor allem Angebote zu Meditation und Dialog machen und diese sehr häufig im Rahmen von Video-Konferenzen, haben wir uns wieder im Rahmen eines Online-Events getroffen und unser Erdfest gefeiert.

Lebendigkeit im Virtuellen? Das mag sich vielleicht ungewöhnlich anhören, doch wir machen immer wieder die Erfahrung, wie sehr all unsere Sinne geweckt werden, wenn wir in Stille einander und dem Leben begegnen. Womöglich lässt uns die Abwesenheit der Natur im Sinne eines Objekts unserer wirklichen Beziehung zu ihr sogar noch näher kommen. Das jedenfalls war eine Erfahrung, die wir mit einer Gruppe von 23 Menschen in zwei Stunden der Meditation und einer Stunde des Dialogs im Rahmen einer Videokonferenz machen durften.

Getragen von einem Auszug aus dem Buch »Erde und Seele« des Sufi-Mystikers Khalil Gibran konnten wir spüren, wie freigebig und geduldig die Erde mit uns ist und wie sehr wir mit ihrer Lebendigkeit verwoben sind: »Was bist du, Erde, und wer bist du? Du bist ich, Erde. Du bist mein Augenlicht und meine Wahrnehmung. Du bist meine Vernunft, meine Phantasie und meine Träume. Du bist mein Hunger und mein Durst; mein Trank, meine Nahrung und meine Freude! Du bist meine Sorglosigkeit und meine Aufmerksamkeit. Du bist die Schönheit in meinem Auge, die Sehnsucht in meinem Herzen und die Unsterblichkeit in meiner Seele.« Am Beginn der zweiten Stunde unserer Meditation lauschten wir gemeinsam dem Musikstück »Rain« des Faran-Ensembles. Faran bezieht sich auf das Wadi Faran, ein trockenes Wüstenflussbett, das sich im Winter mit Wasser und Leben füllt und im Sommer still und unberührt ist. Für die drei Musiker ist ihr Spiel auch eine spirituelle Suche und mit ihren traditionellen Instrumenten des Ostens öffneten sie den Horizont für die mystische Schönheit, die sich zwischen Himmel und Erde entfaltet.

Im anschließenden Dialog konnten wir alle spüren, wie tiefgründig das Lebendige in uns selbst und zwischen uns wurzelt und wie sich das Wunder des Lebens auch in unserer wachen Anwesenheit zeigt. Wo die Meditation uns öffnet für all die subtilen Dimensionen des lebendigen Seins, werden die vermeintlichen Grenzen zwischen Mensch und Natur durchlässig. Für uns hat sich im Gespräch das Anliegen der erdfest-Initiative, dem Lebendigen Lebendigkeit zurück zu schenken, in seiner Wahrnehmbarkeit gewandelt. Während die Sprache zwischen Subjekt und Objekt trennt, wurde uns bewusst, dass wir uns inmitten eines schöpferischen Prozesses wiederfinden, der aus seiner Ganzheit lebt. Oder, mit den Worten Khalil Gibrans: »Du bist ich, Erde.« Es ist ein feinsinniges Verständnis von Lebendig-Sein, das in der geteilten Wahrnehmung so viel tiefer reicht als die Worte, die versuchen, es anzusprechen. Und doch wird die Erfahrung gerade im Ansprechen wirksam. Vielleicht ist das der Beginn einer Antwort auf den Zustand der Welt? Wir sind der erdfest-Initiative jedenfalls von Herzen dankbar, dass sie nun schon über Jahre immer wieder mit den Erdfesten einen ko-kreativen Erfahrungsraum eröffnet, in dem das Lebendige sich so entfalten kann.

Einer der Teilnehmenden unserer Meditation fühlte sich durch die gemeinsame Erfahrung zu diesem »Brief an Gaia« inspiriert:

Liebe Gaia,

mit diesem Brief möchte ich dir meine Dankbarkeit ausdrücken und dich um Vergebung bitten. Dankbarkeit dafür, dass du uns das Leben geschenkt hast, dass all diese wunderbaren lebenden und unbelebten Wesenheiten, die zu dir gehören, ein Teil von dir sein dürfen. Vergebung dafür, dass wir deine Großzügigkeit missbrauchen und dir sogar Schaden zufügen.

Dein Körper, den wir Erde nennen, bietet alles was wir brauchen. Auch die Bedürfnisse von zehn Milliarden Menschen und mehr könnten gesättigt, nicht aber deren Gier befriedigt werden.
Dein Atem ist der Wind, der den Temperaturausgleich in der Atmosphäre ermöglicht, die Energie in Form von Sauerstoff bereitstellt und uns alle am Leben erhält. Er schenkt uns die Luft, die wir wie selbstverständlich annehmen (aber rücksichtslos verschmutzen). Ich bin dankbar für diese Gabe.

Dein Blut sind die Gewässer, ohne die es kein Leben gäbe. Wir verbrauchen diese Kostbarkeit ohne Grenzen (und verseuchen sie hemmungslos). Ich danke für dieses Geschenk.

Der Boden ist dein Korpus. Er ist Grundlage, Baustoff, Werkstoff, Leib und Träger des Lebens. Wir verbrauchen, missbrauchen und misshandeln ihn gedankenlos und rücksichtslos. Ich bin dankbar für deine Großzügigkeit.

Alle Strukturen und Geschöpfe sind Teil von dir. Du selbst bist noch jung und entwickelst dich weiter. Aus den unbelebten Strukturen hat sich Leben entwickelt. Aus den noch unbewussten Formen haben sich immer komplexere Geschöpfe und schließlich erste Träger von Bewusstsein entwickelt. Die Menschen sind die Spezies mit dem am höchsten entwickelten Bewusstsein. Es muss enttäuschend für dich sein, dass ausgerechnet wir dir – undankbar und rücksichtslos – Leid zufügen.

Deine Tränen sind die Fluten, die uns zunehmend überschwemmen. Deine Wut macht sich als Beben, Sturm und Tsunami bemerkbar. Doch wir machen immer weiter mit Verschmutzung und Zerstörung der Ressourcen. Viele Mitgeschöpfe sind schon ausgestorben und auch du entwickelst Fieber. Letzteres wird uns und viele andere Lebewesen eliminieren, wenn wir es nicht schaffen, unser Verhalten zu ändern. Du jedoch wirst das Fieber überstehen und neues Leben entwickeln.   

Bitte vergib uns und gib uns die Chance, es besser zu machen. Die Menschen sollten dir dienen. Der Mensch ist wie eine Nervenzelle und die Menschheit könnte sich zu einem Gehirn mit globalem Bewusstsein entwickeln. Stattdessen ähneln wir eher Krebszellen, die sich hemmungslos ausbreiten. Unsere Städte sind wie Tumore, die sich so lange vermehren bis das globale Netzwerk, das eigentlich ein Organ in deinem sich entwickelnden Organismus bilden sollte, zerstört wird. Bitte vergib uns und gib uns die Chance zur Heilung.

Hoffnung macht dir sicher, dass es neben den Krebszellen auch viele Herzzellen gibt, die dich lieben und dich schützen wollen. Insbesondere die junge Generation wird sich immer mehr bewusst, dass du Gaia unsere Mutter bist und wir dir dienen, dich lieben und dir dankbar sein sollten.

Bitte vergib uns um dieser Herzen willen. Sie haben eine Chance verdient.

In Dankbarkeit, Demut und Liebe
P.

Wer steht hinter diesem Erdfest?

evolve Magazin und emerge bewusstseinskultur e.V.
Nadja Rosmann

60439 Frankfurt
Deutschland

nadja.rosmann@evolve-magazin.de

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