Silent Walks – Caroline Knöbl

Erdfest in Wiesbaden mit einem Silent Walk im öffentlichen Raum. Foto: Wolfgang Schliemann
Erdfest in Wiesbaden mit einem Silent Walk im öffentlichen Raum. Foto: Wolfgang Schliemann

Mein Erdfest fand in der Wiesbadener Fußgängerzonge statt und lud zu Silent Walks ein. Ich habe es erst wenige Tage zuvor angekündigt, alleine geplant und durchgeführt.

Wie in der Gehmeditation oder in künstlerischer Bewegung und Aktion geht es beim Silent Walk darum, alle Sinne zu öffnen, zum eigenen Körper und Atmen hin, zum Boden, zum Umfeld – und, für mich zentral, zu den Menschen, die miteinander gehen. Die Qualität eines solchen Miteinanders ist im besten Fall belebend, ermutigend und Bindung schaffend. Meiner Erfahrung nach kann das eine nährende Quelle sein und dazu bewegen, in Handeln, besonders auch in schöpferisches Handeln zu kommen.

Würden Menschen sich spontan entschließen mitzumachen? Würde meine kleine Installation mit Fahrrad, Plakaten und Kreidezeichnung auf dem Pflasterboden ausreichen, um anzusprechen? Beim Aufbau der Installation entwickelten sich ein paar kurze, auch interessante Gespräche mit Menschen, die mein Tun beobachteten. Sie erfuhren vom Erdfest. Niemand aber hatte Zeit mitzumachen. Also habe ich zweimal alleine einen Silent Walk durchgeführt, wobei eben der zweite Teil, die Partner, fehlte. Dennoch habe ich intensive Verbindung aufgenommen zum Ort und zu mir, der Gehenden ...

Es gab eine Scheu davor, mich als Fremde anzusprechen. Und wenig Bereitschaft, Interesse oder Kraft wahrzunehmen, wer und was sich im öffentlichen Raum aufhält … An viel frequentierten Orten gehen nur wenige Menschen in Kontakt, verständlicherweise. Überdies dürfte es für die meisten ungewohnt sein, mit wacher Präsenz zu gehen, ohne zu sprechen. Das braucht eine Hinführung. Ich war bereit, sie zu geben.

Silent Walks mit einer Gruppe von Menschen, die einander bereits kennen, wären ganz anders. Auch würden sich dann Außenstehende eher anschließen, und in der Regel entsteht rasch eine tragende Energie. Mit mir allein zu interagieren ist für Passant*innen zu direkt, zu intensiv. Das habe ich mir schon gedacht – und es trotzdem versucht, weil ich nicht nur auf das Gelingen schaue, sondern auf die Bewegung des Impulses, der ausgesendet wird.

Für das Erdfest 2019 werde ich frühzeitig Kontakt zu einer Organisation – wahrscheinlich einer sozialen – aufnehmen, um dann gemeinsam Silent Walks durchzuführen.

Caroline Knöbl

Da ich kein Foto von der Installation vor Ort habe und auch keinen Scanner, hab ich eine Computerzeichnung versucht, mit dem Liniengrafikprogramm. Ist sehr krakelig, aber irgendwie nett. Caroline Knöbl
Da ich kein Foto von der Installation vor Ort habe und auch keinen Scanner, hab ich eine Computerzeichnung versucht, mit dem Liniengrafikprogramm. Ist sehr krakelig, aber irgendwie nett. Caroline Knöbl