Rituale entwickeln – Südtirol

Großvater Feuer. Foto: Horst Stuffer
Großvater Feuer. Foto: Horst Stuffer

Das Fest war eine Herausforderung für mich, denn die Gäste entstammten größtenteils dem engsten Familienkreis. Wohl sind das offene Menschen, doch rechnete ich auch mit Widerständen: Zu überragend ist der Stellenwert der »Ratio« in unserer Gesellschaft, was wenig Platz für andere Denkarten zulässt. Daher war ich im Vorfeld ziemlich aufgeregt. Zum Glück konnte ich Claire Idan Sun überzeugen, das Ritual zu leiten und zusammen mit Gabi Mutschlechner mit Musik zu schmücken. Beide sind hervorragende Sängerinnen mit einer himmlischen Stimme. Alle Gesichter der Geladenen wurden von Gabi künstlerisch bemalt.

Die Struktur war sehr schlicht und gleichzeitig kraftvoll:

  • Ein Kreis im Gras, wo wir unsere Absichten deponierten: Raum für Verbindung zwischen meinen Kindern und deren Paten, meinen Kindern und meiner Familie, zwischen uns und unserer Mutter Erde.
  • In der Mitte war ein kleiner Altar. Nacheinander haben wir die vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft aufgerufen. Jede und jeder war im Vorfeld eingeladen worden, sich Gedanken darüber zu machen, was z.B. Feuer für einen selbst bedeutet, wie es sich in einem selbst manifestiert und welcher Wunsch entsteht, den man in den Kreis geben möchte. Damit wurden die einzelnen Felder geöffnet und mit einem Lied, das wir vorher eingeübt hatten, wieder geschlossen.
  • Claire machte das so gut, dass alle mit Leichtigkeit eine Stunde durchhielten. Auch die Skeptiker haben es genossen. Jede und jeder hat mitgewirkt, zu meiner/unserer Freude besonders die Kinder.
  • Bei jedem Wunsch hat die Person, die ihn äußerte, eine Gabe in die Mitte gelegt.
  • Am Ende haben wir die Gaben gesammelt, sie bei Gesang dem Feuer übergeben und schließlich zusammen ein Festmahl gehalten.

Das Erdfest war für alle sehr bewegend und verbindend, zumindest für diesen Moment. Wobei – besteht nicht unser Leben aus Momenten?

Horst Stuffer