Lebendigkeit sei!

Die Lebendigkeit der Erde ist auch die eigene. Um die Beziehungen im Gewebe des Lebens – die biologische Vielfalt – zu bewahren, kommt es darauf an, selbst beziehungsfähig zu sein. 

Das gegenwärtige Zusammenbrechen der Biodiversität – ein massenhaftes Sterben, auch »sechste Aussterbewelle« genannt – bedeutet das Abreißen von Beziehungen innerhalb des Netzes biologischer Vielfalt. Dies mindert zugleich unsere eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, in Beziehung zu sein.

Daher lädt die ERDFEST-Initiative auch ein, sich zu fragen: Wie kann ich wahrhaftiger leben? Wie kann ich meine Beziehungen in echter Gegenseitigkeit führen? Wie kann ich mich wirklich selbst spüren?

Dieses achtsame Bei-sich-sein und Sich-spüren ist bereits ein Erdfest. Und es ist erdfest. Es ermuntert, weiter zu fragen: Wie erdfest ist meine Lebens- und Arbeitspraxis? Und: Wie erdfest ist unsere (Land-)Wirtschaft? Unsere Zivilisation?

Im ERDFEST-Initiativraum kultivieren wir mithin gemeinsam eine innere Haltung, die es der Welt erlaubt, ihre Lebendigkeit zu zeigen.

Etwas Lebendiges – zum Beispiel ein Waldboden – fragen: Was erfahre ich von dir? Foto: Unsplash

Der auch international renommierte Biologe und Philosoph Andreas Weber, ERDFEST-Mitinitiator, erkundet auf gut lesbare Weise, was »Lebendigkeit« bedeutet. Seine jüngsten Bücher und weitere Literaturtipps finden Sie hier.

verlebendingen - sein lassen - ent-automatisieren - aufmerken - vergegenwärtigen - das Sein lassen

Wenn ich nicht bewusst Freiräume schaffe, in denen ich zu mir und den Menschen und der Erde in Verbindung treten kann, jenseits des rastlosen und blinden Funktionierens, dann werde, bin ich wie der Boden einer Intensivkultur, aus dem kaum noch etwas wachsen kann

Martin Peer, Erwachsenenbildner

Es kommt nicht so sehr darauf an, wo ich beginne, was ich mache, bzw. wie groß oder klein die Tat ist: Was zählt, sind Wahrhaftigkeit, Präsenz und In-Verbindung-sein. Die Auswirkung definiert sich von selber – in Freiheit.

Horst Stuffer, Krankenpfleger und ERDFEST-Initiativträger

Lebendigsein kann ich nicht für mich alleine, sondern nur in Beziehung. Das Gegenüber dieser Beziehung kann ein Apfel, ein Hund, ein Buch, ein Lied, ein Mensch sein. Lebendig fühle ich mich, wenn ich das Andere da draußen mit mir so in Beziehung treten lassen kann, dass ich durch diese Beziehung selbst immer wieder verändert werde. Wenn die Welt da draußen zur Welt in mir wird. Wenn die Welt Resonanzraum ist. 

Dorothe Liebig, Psychologin und Organisationsentwicklerin

Gewahr werden, dass wir, alle Geschöpfe der Welt, verwurzelt sind mit der wärmenden, weichen Muttererde! Bislang hatte ich Angst, einmal in der dunklen, finsteren, feuchten Erde gefangen zu sein.

Brigitte Kutalek-Mitschitczek, Brigitte Kutalek-Mitschitczek, Studiengangsleiterin Fachbereich Hebammen FH Wien

Die ERDFEST-Initiative ist eine kokreative Erkundungsreise in Kulturen der Lebendigkeit.