andersNormal! – Potenzial Hochsensibilität in Leipzig

Die Inspiration zu »The Citizen is Present« kommt von Marina Abramovics »The Artist is Present«. Die großen Bäume schienen unsere Aktion zu bezeugen. Foto: Anette Eßer

Bei unserem ersten Erdfest waren wir freitags und samstags im Clara Zetkin Park zu The Citizen is Present und verbanden uns dort intensiv mit dem Platz. Am Freitag kam während unserer Einstimmung ein Spatz in die Mitte des Kreises geflogen und beäugte uns ganz keck und neugierig. Ihm folgte ein wenig später eine Ente und dann eine Krähe, die sich in aller Ruhe unseren roten Teppich und das Plakat anschaute. Ein Reiher stand ganz lange am Teich und beeindruckte uns mit seiner Präsenz. Wir hörten Frösche quaken und sahen Eichhörnchen herumturnen, und die großen Bäume schienen unsere Aktion zu bezeugen. All das unterstützte uns darin, dort präsent zu sein, den Platz zu spüren mit seiner Geschichte und Lebendigkeit. Wir hatten so eine gute Zeit und viele intensive, berührende Begegnungen.

Am Sonntag gingen wir zum Labyrinth und durchschritten es in Stille und innerer Sammlung. Zur Einstimmung ließen wir das Gebet der Haudenosaunee kreisen und würdigten damit alles, was ist. Das war wunderschön, wie ein ausgesprochener Segen, der uns mit Mutter Erde verband und irgendwie ehrfürchtig und feierlich stimmte!

Wir waren sechs Frauen, zum Picknick kam dann noch mein Mann dazu. Während des Essens tauschten wir uns über unsere Erfahrungen beim Durchschreiten des Labyrinths aus. Es war berührend zu hören, was jede erlebt, dass jede ihre ganz eigenen Eindrücke hatte. Da war z.B. der Schmerz unter den Fußsohlen, der durch das Verweilen und Hineinentspannen kleiner wurde, oder die Erleichterung und der Stolz beim Ankommen in der Mitte. Sich die bewusste Erlaubnis geben, den vorgeschriebenen Weg zu verlassen und statt dessen einen zu wählen, der für die Füße eine Wohltat war: Ich bleibe im Fluss der vorgeschriebenen Richtung, gehe jedoch meinen eigenen Weg. Ich darf es mir leicht machen. Die ersten beiden Biegungen des Weges hatten für mich eine besondere Intensität, sie waren wie die Schwellen in eine neue Lebensphase: vom Kind zum pubertierenden Mädchen und dann zur Frau. Von da an wurde der Weg unbequemer und schwerer zu gehen, es gab Hindernisse und ich musste mich entscheiden: Gehe ich darüber hinweg, weiche ich aus, oder räume ich das Hindernis beiseite ....

Wir wären gern noch länger dortgeblieben, doch mussten die meisten die teilweise sehr weite Heimreise antreten, so dass wir nach Beendigung des leckeren Schmauses alle gemeinsam den Ort verließen. So viel von den Eindrücken aus Leipzig.

Anette Eßer

In Stille und innerer Sammlung ein Labyrinth durchschreiten. Zur Einstimmung ließen wir das Gebet der Haudenosaunee kreisen und würdigten damit alles, was ist. Foto: Janet Teichert

Beim anschließenden Picknick tauschten wir uns über unsere Erfahrungen beim Durchschreiten des Labyrinths aus. Foto: Janet Teichert